Ökumenische  Franziskus  Gemeinschaft

Ökumenischer Aufbruch in der franziskanischen Familie

Geschwisterlichkeit

 

Ein Rabbi fragt seine Schüler,wann die Nacht aufhöre und der Tag beginne. Einer der Schüler antwortet: »Beginnt der Tag, wenn man einen Zwetschgenbaum von einem Pfirsichbaum unterscheiden kann?« Der Rabbi verneint. Ein zweiter Schüler antwortet: »Beginnt der Tag, wenn man einen Esel von einem Hund unterscheiden kann?« Wieder verneint der Rabbi. Darauf drängen die Schüler den Rabbi: »Sag uns doch die richtige Antwort. Wann hört die Nacht auf und wann beginnt der Tag?« Der Rabbi antwortet: »Die Nacht hört auf, wenn du in ein menschliches Gesicht schaust, und es wird heller Tag, wenn du in diesem Gesicht deinen Bruder erkennst. «

Im Gesicht des Nächsten seinen Bruder sehen.

Dazu bedarf es einige Übung
.
Jeden Tag auf´s Neue,
gewiss, manchmal auch eine Zumutung.

Christsein beschränkt sich nicht

auf den eigenen Glaubenshorizont,

sondern ist ganz konkret:

Mit unserem Leben verbunden,

hier und heute,

damit es taghell wird in unserer Welt.

Was hindert uns

die gewohnten Pfadedes Alltagszu verlassen?Wie viel Nacht ist noch in uns?
Im Gesicht des Nächsten
seinen Bruder sehen.

Riskiere es,

öffne dich,

damit dein Licht hervorbricht

und den Tag hell macht vor Freude

(Du wirst überrascht sein....)

Br. Wolfgang,öfg

Glücklich der Mensch,
 der seinen Nächsten trägt In seiner ganzen Gebrechlichkeit

Wie er sich wünscht

Von jenen getragen zu werden

In seiner eigenen Schwäche.

Glücklich der Mensch

Der seinen Bruder und seine Schwester

ebenso liebt wenn sie krank sind

Und es ihm nicht vergelten können

Wie wenn sie gesund sind

Und es ihm vergelten können.


Franz von Assisi



Barmherzigkeit


    Abb: Kloster Maria Eck

Barmherzigkeit - ein altmodisches Wort, das man im täglichen Leben nur zögerlich benutzt. Wenn ich es in meinem beruflichen Alltag gebrauchen will, werde ich schnell als weltfremd und störend angesehen. Schließlich haben wir ja Vereinbarungen und Gesetze, die Zuständigkeiten und Verfahrensordnungen festschreiben. Sicher, auf die Errungenschaften besonders unserer sozialen Zuständigkeiten können wir stolz sein. Sie sind das Ergebnis eines langen historischen Bemühens um Gerechtigkeit und Solidarität.

Aber wenn jemand für einen Teilbereich unseres ausdifferenzierten Sozialstaats zuständig ist, betrifft mich dann doch die Not des Anderen? Wie sieht es aus mit meiner Zuständigkeit für meinen Mitmenschen? Kann ich dann beruhigt die Hände in den Schoß legen?

Barmherzigkeit, im Hebräischen "rachamim", verweist in seiner wörtlichen Bedeutung auf "Gebärmutter", einem Ort mütterlicher Geborgenheit, in der menschliches Leben gedeihen kann. Barmherzigkeit ist eine der herausragenden Eigenschaften des jüdisch-christlichen Gottes. Eines Gottes, der sich seinem Volk in Gnade zuwendet, seine Fehltritte sieht, ihm aber im unerschütterlichen Vertrauen in das Gute immer wieder verzeiht, Treue zusagt und zu einem neuen Anfang ermutigt. Viel zu oft ist diese mütterliche Seite unseres Gottes in den Hintergrund getreten. Dabei weist schon der Name "Jahwe" (= "Ich bin für Dich da!") auf ein Für-uns-Dasein, das seine Geschöpfe umschließt und wachsen lässt.

Christliche Lebensführung findet in praktizierter Barmherzigkeit einen herausragenden Maßstab.

Im Gespräch untereinander, aber auch mit Zeitgenossen, die unseren Glauben mit Skepsis begegnen, werden wir daran gemessen, wie wir es mit der Barmherzigkeit halten. Gerade im sensiblen religiösen Bereich geraten wir leicht mit Verabsolutierungen aneinander, Grundsätzen, die sich letztlich als lebensfeindlich herausstellen. Das Erheben eines Zeigefingers, der moralische Grundsätze für allgemein-verbindlich erklärt, der mancherorts anzutreffende Eifer, der amtskirchliche Weisungen und Lehrsätze rigoristisch verteidigt, der Menschen zurückweist und von einer Gemeinschaft ausschließt......

Barmherzigkeit ist das ganze Gegenteil von diesem. Barmherzigkeit ist eine Keimzelle des Wachstums. Barmherzigkeit möchte unsere Herzen mit Wärme ausfüllen, die in uns angelegten Möglichkeiten anrühren und aufblühen lassen.

Für Franziskus ist Jesus Christus der Inbegriff der Barmherzigkeit. In seiner Nachfolge des Herrn als auch in seiner Nachahmung, soll die Barmherzigkeit Gottes, die alle Kreaturen umschließt, sichtbar werden.

Halten wir uns Gottes Barmherzigkeit jeden Tag auf´s Neue bewusst .

 

Machen wir seine erbarmende Liebe in dieser Welt sichtbar.

Geborgen in seiner mütterlichen Fürsorge dürfen wir wachsen und reifen - für mehr Barmherzigkeit in unserem Alltag, im beruflichen und familiären Leben, in unserer Freizeit und in den vielfältigen Aufbrüchen geistlicher Gemeinschaften.

 

Bruder Wolfgang, öfg (Sommer 2015)



Impuls zum Jahrestreffen der Ökumenischen Franziskus Gemeinschaft

im Kapuziner-Kloster zu Münster 2015


"In den Fußspuren Jesu"...wie der Herr ein Segen sein!


Davongelaufen dieser Träumer,das reiche Elternhaus verlassen,auf dem Marktplatz von Assisimit viel Volk.

Vom Heiligen Geist aus dieser Welt getrieben, es allen zu sagen,es allen zu singen,es allen zu tanzen:den Fußspuren Jesu folgen, Gaukler Gottes sein im Hier und Jetzt.

 Brücken bauen zu den Kranken und den geistlich Umgeknickten, zu den Wartenden und Schwankenden, den im vielen Ungeschickten Wege finden, Hände reichen in geschwisterlicher Liebe, setzen neue Hoffnungszeichen.

Wie der Herr ein Segen sein und Segen bringen„reich an Leben, arm an Dingen“ .

Radikales Evangeliumallein Wort und Glaube sollen zählen.Auch Bischöfe könn´dem Herrn gefallen,geschwisterliches Leben wählen

Frei von seinem Geist geleitet,der auf jedem Menschen ruht, keine Vorschrift wird sich zwischen Christus und seine Geschwistern drängen um die Freude, Lebensfülle einzuengen.-

Und dann wieder dreihundert Jahre später auf den Plätzen reformierte Lieder: Davongelaufen dieser Kathole, Sohn vom Bergmann mit viel Kohle, Flucht im Dunkel über Mauern.Wie Franz vom Heiligen Geist getrieben, dieser Gottsucher aus Wittenberg, und in diese Welt geführt.

Wie die Apostel in Galiläa die Worte des Herrn, seine Liebe und sein Reich dem Volk zu singen. Brücken zu bauen zu den Kranken, den geistlich Umgeknickten, zu den Wartenden und Schwankenden, den im Vielen Ungeschickten, Wege finden, Hände reichen in geschwisterlicher Liebe setzen neue Hoffnungszeichen.

Wie der Herr ein Segen sein und Segen bringen„reich an Leben, arm an Dingen“ .

Radikal am Evangelium allein Wort und Glaube sollen zählen.Wie die Bauern könn´ auch Bischöfe dem Herrn gefallen,geschwisterliches Leben wählen.

 Die Gläubigen werden selber Priester Kein Pfaff mehr sein,sich zwischen Christus und sein´ Geschwistern drängendirigieren, regulierenum die Freude, LebensFülle einzuengen.-

„Lasst euch von der eigenen Liebe leiten“,fragt nicht wie damals Leo seinem Bruder Franz nach Richtschnur, Maß und Weg,die eigene „Fantasie weiß am besten,wie der Jünger seinem Meister und der Freund seinem Freund gefällt“.

 Dem Herrn folgen und Segen bringenim Geist der Freiheit „reich an Leben und arm an Dingen“ .(105)

 bruder wolfgang, öfg


Impuls zur Einkehrwoche auf dem Hülfensberg/Eichsfeld vom 13.-19. Mai  2012




Stellen wir uns eine Oase vor
ein Stück vom Paradies
 wo das Zusammensein von Menschen

eine Freud und eine Wonne ist

die Masken des Alltags sind gefallen

 

keine Rolle mehr spielen jeder darf sein wie er ist
und niemand will den anderen beherrschen

 

Stellen wir uns eine Oase vor
in der Liebe der Ursprung ist
aus dem Quell aller Liebe
uns der Herr durchströmt
und an den Ufern blühen Blumen
voller Freude, Geduld, Güte, Liebe
und Frieden  
Stellen wir uns eine Oase vor
zu der wir eingeladen sind
aufzuatmen, aufzuleben -
von allen unsinnigen Begierden gelöst
ihm nahe zu sein
Geborgenheit zu finden und im Stolpern selbst

nie tiefer zu fallen
als in seine Hand.....